Satire: Seehofers Kampf um Haus und Heimat in Berlin

Das neue Heimatministerium, ein Vatikan in Berlin
Das neue Heimatministerium in Berlin müsse genauso ein Prachtbau werden wie der Vatikan, hatte der neue Heimatminister  Horst Seehofer gefordert. Das sei ein prächtiges Gebäude in Rom und zeuge vom Respekt der Menschen vor ihrem Schöpfer. Ein genauso prächtiges Gebäude müsse in Berlin her, um den Respekt der Menschen in Deutschland vor dem zentralen Begriff „Heimat“ zu verdeutlichen und einzufordern. Die Heimat brauche ein würdiges Haus.
Die neue Philosophie der 16 Bundesstaaten: „Heimat, mein Bayernland.“
Es sei an der Zeit, den Begriff „Heimat“ aus dem bayrischen Freistaat in die inhaltlich neu zu bestimmende geografische Gruppe der sechzehn Bundesländer zu überführen. Dieses sechszehn Bundesstaaten – Konstrukt brauche eine neue Philosophie. Oder um mit den Worten seines – natürlich bayrischen – Coaches zu sprechen, dynamisch und systemisch sei der Übergang von einer losen Gruppe (ehemals BRD/DDR) zu einem modernen Heimat-Team zu schaffen. Als Arbeitstitel für das Projektes schlage er vor: „Heimat, mein Bayernland.“
Nun gelte es, zuerst einmal ein Ministerium zu gestalten, das auch architektonisch der Erhabenheit der Idee entspräche. Sei das Ministerium der Heimat gestaltet, werde die Neugestaltung der Heimat fast automaisch folgen.
Das neue Büro fällt durch den Schall-Test
Den Schalltest hatte das neue Büro von Heimat-Minister Horst Seehofer schon mal nicht bestanden. Horst Seehofer hatte sich in die Mitte des neuen Büros im Heimatministerium, dem vormaligen Innenministerium, gestellt und laut „ Heimat“ gerufen. Angestrengt hatte er einige Minuten auf ein Echo gewartet.
Er sei maßlos enttäuscht, hatte er dann den herbeigerufenen Hausarchitekten aus Berlin angefahren. Dieses Büro sei unheimatlich, geradezu heimatlos. Im Bayrischen Heimatministerium schalle es immer, wenn das Wort „Heimat“ dort falle und das geschehe häufig. „Dahoam is Dahoam“ echoe es dann aus allen vier Ecken eines jeden Raumes, in manchen Räumen werde diese Kernaussage auch gejodelt.
Soviel Echo müsse sein und es sei Aufgabe eines guten Architekten, dem Heimat-ministerium in Berlin diese Seele einzuhauchen, bzw. einzuschallen. Gelänge das den Preußen nicht, werde er bayrische Amtshilfe herbeirufen.
Der Hochsitz im neuen Heimat-Büro des Ministers
Horst Seehofer hatte einen Durchbruch seines Büros in das darüber liegende Stockwerk erzwungen. Er hatte mitteilen lassen, das neue Büro müsse auch architektonisch die Größe und Erhabenheit der neuen Aufgabe spiegeln und brauche einen Hochsitz. Er als Heimatminister sei nun vom Schicksal bestimmt worden, den Deutschen ihre Heimat wiederzugeben, erst einmal als Begriff, der Rest folge später, so die Projektplanung.
Den Begriff „Heimat“ neu zu definieren, erfordere Weitblick und das müsse sich auch räumlich zeigen. Seehofer hatte in seinem Büro den Schreibtisch auf den Hochsitz hieven lassen. Sein Pressebüro hatte dazu Fotos veröffentlicht und erklärt, Hochsitz und Schreibtisch seien aus dem Holze deutscher Eichen gefertigt worden. Der Hochsitz mit Gucklöchern und Schießscharten und in drei Meter Höhe zeige zum einen die Weltoffenheit des Heimatministers und zum anderen aber auch die Wehrhaftigkeit des Chef-Heimat-Denkers.
Die Sicherung des Projektes „Bayrisch-Deutscher Hochsitz gegen heimatlose Gesellen und der Kampf um den Heimatanker
Der Hochsitz müsse sichtbar in der Berliner Erde verankert werden, hatte Seehofer gefordert. Ein Anker aus deutschem Stahl habe in der Mitte des Platzes vor dem Ministerium in der Erde seine Heimat zu finden. So sei schon mal Bayern heimatlich mit der deutschen Küste verbunden, jedenfalls aus bayrischer geographischer Sicht. Die technische Umsetzung des Gedankens „Heimatanker“ sei Aufgabe des Architekten. Man könne hier auch einen Wettstreit deutscher Denker und Architekten zu diesem Thema ausloben.
Der Kampf um die Heimat
Die Sicherheit des Projektes „ deutsch-bayrischer Hochsitz, verankert in preußischer Erde“ sei von höchster Sicherheitspriorität. Anschläge von Anarchisten und anderen heimatlosen Gesellen auf den Heimatanker seien ihm bereits angekündigt worden. Ein Tausendschaft deutscher Polizisten habe diesen Anker zu sichern und bei der entfernsteten Annäherung undeutschen Gesindels das Feuer sofort zu eröffnen. Diese zugegebenermaßen unscharfe Formulierung des Schießbefehls habe politisch eine große Nützlichkeit.
In der scharfen Verteidigung des „Heimat-Hochsitzes, verankert in Berliner Erde” gegen Anarchisten und andere geistige Pinscher, so habe schon der selige Franz-Josef Strauss die Opposition klassifiziert, werde sich der Begriff der Heimat und seine inhaltliche Abgrenzung beinahe spielerisch-kriegerisch entwickeln.
Horst Seehofer übt sich beim Pressetermin in Weltpolitik und Denken
Horst Seehofer war dann beim Pressetermin zum Thema: “Nachdenken über die Heimat” völlig ins Schwärmen geraten. Jeder Schuss werde die Diskussion beflügeln und die inhaltliche Definition von Heimat fördern. Blicke man in benachbarte Regionen wie Jugoslawien oder in Teile Afrikas zeigte sich dem Weltbürger, dass nach einer gewissen Zeit ethnischer Konflikte auch wieder Frieden herrsche.
Horst Seehofer hatte dann staatsmännisch in die Ferne geschaut und ins Publikum hineingefragt, ob nicht auch hier der marktwirtschaftliche Grundsatz gelten solle, dass der Wettbewerb das Geschäft fördere. Streng ministrabel hatte er dann mit erhobener Stimme zu bedenken gegeben, vielleicht gelte hier aber eher die völkische Weisheit, der frühe Vogel picke den Wurm. Dann hatte er das Haupt gesenkt und nach einer kurzen Kunstpause leise erklärt, vielleicht müsse man hier aber auch in der verkürzenden Küchen-Kategorie denken, Salz und Schmalz, Gott erhalt’s?
Horst Seehofer hatte ein wenig verloren geschaut und dann erklärt, er werde in sich gehen und nachdenken. Dazu hatte er sich in das Heimatministerium fahren lassen und dort den Hochsitz in seinem Büro erklommen.