Satire: Gerhard Schröder wird Papst – das Projekt Petrus 2.0.

(Auszug aus dem Satire-Buch: Die vielen Seiten des Gerhard Schröder ASIN: B07SXQYQQY

Sicherheit für Gerhard Schröder

An der Tür von Ferdinand, einem Job-Coach aus Münster, war heftig gerüttelt worden.  Als Ferdinand die Tür geöffnet hatte, war er unsanft in den Haus-Flur gezerrt worden, während zwei Polizisten und drei Schäferhunde in seine Wohnung eingedrungen waren. „Kleiner Sicherheits-Scheck“ hatte ein Polizist ihm erklärt, während er ihn zu Boden drückte. Nach einer Minute waren die Polizisten und die Hunde wieder auf dem Flur erschienen und einer hatte gemurmelt, Sicherheit sei gegeben.  Die Polizisten auf Ferdinands Etage sprachen deutsch.

Im Parterre, einen Stockwerk tiefer, war zeitgleich ein Quieken zu hören gewesen, das entfernt an die Stimme Hottes, seinen Vermieter erinnerte.  Er protestiere, fistelte die Stimme. Ferdinand konnte, auf dem Boden liegend, die Treppe hinab schauen. Dort sah er Hotte im Schwitzkasten eines stämmigen Mannes.  Gazprom-Security stand auf der Jacke des Mannes geschrieben, der Hotte mit kehliger Stimme fragte, ob er Ärger wolle.  

Aber Hotte wollte keinen Ärger, er wollte nur Luft schnappen. An Ferdinand, der wieder auf die Beine gerissen worden war, huschte ein kleiner untersetzter Mann mit pechschwarzen Haaren vorbei in Ferdinands Wohnung, Gerhard Schröder. Zwei Bodyguards begleiteten ihn.

„Gebt den Jungs mal ne Flasche Bier oder nen Wodka“, scherzte Gerhard Schröder  in seiner weltweit geschätzten jovialen Art. Hotte kreischte aus dem Schwitzkasten heraus, er habe nur die Sicherheit seines Hauses  garantieren wollen. Schließlich könne ein Mieter wie Ferdinand in seiner Wohnung nicht machen, was er wolle.

Irene, Hottes Frau, war zwischenzeitlich in der Wohnungstür erschienen und  hatte versucht, Hotte mit Kehrblech und Hand-Besen zu befreien. Der Handkanten-Schlag eines weiteren breitschultrigen Gazprom-Security Mitarbeiters gegen den Kopf hatte sie zu Boden gezwungen.

Hotte und Irene waren in eine schwarze Limousine in der Einfahrt verfrachtet worden, wo ihnen die deutschen Polizisten eine Anzeige wegen Landesfriedensbruch in Aussicht stellten. Hotte hatte mit seinem Anwalt, Dr. Theodor von Torf, von Hotte gerne das Törfchen genannt, telefonieren dürfen. Der hatte ihm erklärt, hier handle es sich hier um eine Angelegenheit von internationaler Dimension. Er empfehle als Freund des Hauses, aus der Not eine Tugend zu machen und die russischen Sicherheitsleute zum Frühstück einzuladen. Vielleicht würden die dann von einer Anzeige Abstand nehmen. Dieses rate ihm seine in vielen Jahren in Münster erworbene Messdiener Logik, die in solchen Fällen meistens Recht behalte. Recht haben und Recht bekommen sei nicht immer dasselbe.  „Gelobt sei Jesus Christus“, hatte er zum Abschied in den Hörer gehaucht und die Rechnung folge. „ In Ewigkeit Amen“ hatte Irene, die gerade wieder zu sich gekommen war, im katholischen Reflex zurück gehaucht.

Ferdinand ist als Job Coach gefragt

Gerhard Schröder hatte zwischenzeitlich in Ferdinands Büro Platz genommen und bot diesem dort Platz an. Die beiden Bodyguards standen auffällig unauffällig hinter Gerhard Schröder, der  so tat als wären sie nicht da. Er sei in einer Herzensangelegenheit unterwegs, erklärte er Ferdinand. Er sei nun  fünfundsiebzig Jahre jung geworden und seine neue Frau Kim plane mit ihm die nächsten dreißig Jahre zu verbringen. Das jedenfalls erkläre sie in allen Interviews zum Thema Gerhard und Kim. Er wolle  von Ferdinands Angebot als Job Coach Gebrauch machen unter dem Stichwort, Change Management.

Erst gestern habe ihn Kim in einem sehr schönen Moment gefragt, wo er  sich in zehn Jahren sehe. Sie habe ihn dabei zärtlich  angesehen und natürlich habe er ihr erwartungsgemäß geantwortet, „glücklich an deiner Seite“.  Die Kim sei dann glücklich an seiner Seite eingeschlafen. Er aber habe ein ganz anderes Bild vor Augen gehabt. Er habe sich in Rom gesehen auf dem Stuhle Petri. „Jawohl“, hatte er Ferdinand in das fassungslose  Gesicht gebrüllt. Es stünde mal wieder ein dramatischer Wechsel in seinem Leben an, ein neuer Karrieresprung sei angesagt. Er werde demnächst Papst werden. Nun sei es an Ferdinand, mit seinen Mitteln  als Job Coach, die Sache so zu deichseln, dass das Ganze gelinge und er dabei an Beliebtheit und Vermögen gewinne. Dabei hatte Schröder grimmig geschaut und mit dem Kiefer gemahlen. Darin war er unschlagbar.

Papst Gerhard und Päpstin Kim: der geträumte Management-Plan

Wie das gehen solle, hatte  Ferdinand gestottert, Schröder sei nun zum fünften Male glücklich verheiratet.  Ein Papst  dürft das nicht ein einziges Mal tun. Ein Papst dürfe solche Gedanken nicht einmal haben. Das werde in dieser Branche unkeusch genannt, werde bestraft und sei mit der Philosophie des Job unvereinbar. 

Schröder hatte ihn forsch angestarrt und Vermieter Hotte hatte in seinem Führerbunker, wie er sein Büro nannte, ein Schluckauf  bekommen. Er hatte gleich eine Überprüfung seiner als Rauchmelder  getarnten Abhörgeräte gestartet, die er in den Wohnungen seiner Mieter  installiert hatte.

Das sei doch der Gag, hatte Schröder erklärt. Natürlich würde er sich von seiner Kim nicht trennen, die werde Päpstin, das sei so. Er werde in der nächsten Woche noch nach Rom fliegen. In  Gedanken habe er schon an den Säulen des Petrus Domes gerüttelt und gerufen, er wolle  hier rein. Das habe er mit dem Kanzleramt so gemacht und bei seinen Frauen habe das auch immer funktioniert, das nenne man Projekt-Management.

Dabei hatte er Ferdinand streng angeschaut und dieser hatte genickt. Schröder hatte erklärt, er nutze bei solchen Gelegenheit die Ziel-Erreichungs-Strategie, die ZET-Strategie. Man müsse sich  dabei vorstellen, man habe sein Ziel erreicht, sich so zu sagen im Glücke suhlen. Und dann müsse man sich fragen, wie man das hinbekommen habe und diesen Erfolgsweg blitzschnell aufschreiben. Man nutze dabei die positiven Kräfte des Unterbewusstseins.

Das habe er damals so gemacht, als man ihn in Bonn vor die Tür gesetzt habe als Kanzler. Er habe sich danach auf dem Weg zum Treffen mit Putin in der Schweiz sein zukünftiges Leben herbei geträumt. Er  habe dabei im Flugzeug in der Luxus Klasse gesessen und ungestört träumen können. Er habe sich an der Seite Putins gesehen beim Verlegen von Rohren, die Gas aus Russland nach Deutschland transportierten.  Er habe sich sehr wohl dabei gefühlt und sie hätten dabei manchen Kasten Bier geleert. Schließlich und ganz schnell, hätten dann andere die Rohre verlegt und sie hätten die Aufsicht geführt. Einer müsse schließlich Boss sein und er sei schon immer der Genosse der Bosse gewesen. Dann sei er aus diesem Tag-Traum aufgewacht und habe schnell aufgeschrieben, wie er zum Rohre verlegen zu seinem Freund Putin nach Russland gekommen sei. Das habe damals sehr gut funktioniert und auch beim Projekt Papst Gerd und Päpstin Kim habe er so verfahren wollen.

Gerhard und Kim beim letzten Abendmahl

Diesmal aber sei was schief gelaufen. Er habe mit seiner Frau Kim im Bett gelegen und sich vorgestellt, wie schön das wäre mit ihm als Papst Gerd und ihr als Päpstin Kim gemeinsam im Vatikan Palast. Dabei sei was mit der Zeitreise schief gelaufen, die Reise sei in die Vergangenheit gegangen anstatt in die Zukunft.  Er habe mit Kim am historischen Abendmahl der zwölf Jünger mit Jesus teilgenommen. Das sei schon in Ordnung. Er sei berühmt dafür, es mit allen gut zu können und er sei schon mit ganz anderen Jungs klar gekommen. So ein Ministerkabinett zu führen, sei auch keine Kleinigkeit gewesen. Und irgendein Judas habe immer mit am Tisch gesessen.  Es  habe auch ordentlich was zu essen gegeben bei der Jesus-Dinner-Party. Kim und er hätten in der Nähe von Jesus gesessen und der Rotwein sei auch nicht schlecht gewesen. Der Vorschlag von Kim, Konfuzius mit an die Tafel zu laden, sei irgendwie untergegangen.  Kim habe ihn dann unter dem Tisch zärtlich angefasst und genau ab dem Zeitpunkt habe er einen Filmriss. Der Wein sei wahrscheinlich zu stark gewesen.

Er sei morgens neben seiner Kim aufgewacht und nun fehle ihm der Fahrplan, wie er an die Spitze des Vatikans gekommen könne. Er hoffe nun, dass Ferdinand mittels Hypnose oder sonstigem Gedöns das hinkriege. Geld spiele hierbei keine Rolle. Die Zeitreise müsse unbedingt fortgesetzt werden. Diesmal aber wolle er sich auf dem Stuhle Petri wiederfinden, der natürlich auch Platz haben müsse für die Päpstin. Aber das sei kein Problem, die Kim sei schlank und für den Anfang könne sie auch auf seinem Schoss oder Knie sitzen. Es wolle auch daraus kein Gedöns machen. Aber der erträumte Masterplan müsse her.  Erst ein satter Traum und dann die Marschroute aus dem Bereich des Unterbewussten. Hier zähle er auf  Ferdinand als Job Coach, hatte er mit finsterer Miene erklärt. Und wieder einmal hatte er mit dem Kiefer gemahlen. Ferdinand hatte sich vorgenommen, Gerhard Schröder auf eine Beißschiene anzusprechen.

Hotte war  in seinem Führerbunker zur Erkenntnis gelangt,  dass seine Abhörgeräte defekt waren. Was er hörte, passte nicht zu seinem Bild von Gerhard Schröder, einem Altbundeskanzler, der laut Staats-Protokoll immer noch mit Herr Bundeskanzler anzusprechen war.

Der systemische Plan Petrus 2.0 und Schröders Angriff auf den Vatikan

Gerhard Schröder  wusste nichts von den Seelen Nöten des Vermieters Hotte in Münster und war ungerührt mit seiner Karriere Planung fortgefahren.  Wenn es nicht gelinge, den Masterplan aus den Tiefen der Träume und des Unterbewussten zu heben, müsse ein Management Plan B entwickelt werden, hatte Schröder gefordert. Er habe hier auch schon einige Ideen systemtheoretisch entwickelt. Das lerne man jetzt auch in SPD Fortbildungskursen. Dialektisches Denken a la Charly Marx und anderer sozial romantischer Tralla la sei out. Die Papst-Idee und der gesamte Vatikan-Staat bräuchten ein Update. Ein guter Titel dafür wäre Petrus 2.0. Er habe von Frauen in der katholischen Kirche gehört, die mit dem Projekt Maria 2.0 die Rechte der Frauen in der katholischen Kirche stärken wollten. Sein Projekt gehe da viel weiter. 

Das Ziel sei ja bereits formuliert. In Kurzform hieße das, Papst Gerd und Päpstin Kim  erobern den Vatikan. Die Ausgangslage sei auch klar. Der Vatikan gehöre grundlegend reformiert. Aus dem Unternehmen, das einmal mit zwölf Aktivisten und einem kleinen Esel als Fuhrpark begonnen habe, sei ein globaler Player geworden. Den führe man in Rom aber immer noch nach dem Muster eines Kleinbetriebes. Das könne nicht gelingen und müsse geändert werden. Die Kirchenaustritte sprächen eine deutliche Sprache, es müsse mehr Dynamik rein in dieses Unternehmen. Aber die Sache sei nicht verloren, weil die Geschäftsidee genial sei, hatte Gerd Schröder mit leuchtenden Augen erklärt.

Hotte hatte in seinem Führerbunker zwischenzeitlich alle Leitungen in seinen Rauchmeldern, die er zu Abhörgeräten mit Kameras umfunktioniert hatte, nochmals überprüft. Er hatte sich dazu bei den Schnappis im zweiten Stock des Hotte Hauses in das Schlafzimmer eingewählt und einen Ehestreit zwischen Yvonne und Kurt Schnappi aufgenommen.  Fasziniert hatte er gehört, dass Yvonne Kurt damit gedroht hatte, ihn zu verlassen, wenn er seine Eifersucht nicht in den Griff kriege. Hotte hatte fies gegrinst. Er lechzte dem Moment entgegen, wo er bei Yvonne frei Bahn haben würde. Widerwillig schaltete er den Schappi-Kanal ab, um wieder in Ferdinands Wohnung hinein zu lauschen. Das Projekt Wunschgeliebte Yvonne konnte er immer noch bearbeiten, tröstete er sich.

Der Verkaufshit: das ewige Leben und Marketing Genie Schröder

Dort hatte sich Gerhard Schröder richtig in Fahrt geredet. Das Verheißen eines ewigen Lebens im Himmel sei schon eine tolle Geschäftsidee, hatte Schröder geschwärmt. Das sei besser zu verkaufen als das Versprechen eines Paradieses auf Erden. Die knallrote Glücks-Variante Lenins sei in der Sowjetunion gescheitert und auch die mit Konsumgütern gespickte rosa Sozialismus Variante in der DDR.  Es sei den Menschen nicht zu vermitteln  gewesen, dass ihr Leben paradiesisch sei oder sie auf dem Weg zum Paradies seien. Das Volk sei eben ein undankbares Pack. Auch ihm habe das Volk bei Wahlen schon übel mitgespielt.

Aber ein ewiges Leben nach dem Tode im Paradies, das sei eine geniale Geschäftsidee. Dieses Produkt spiegle die ewigen Ängste der Menschen wider. Das Produkt spreche viele Menschen an, sei unpolitisch, sei ein ever green im Angebotsbereich des Spirituellen. Kein lästiges Qualitäts-Management trübe die Produktion und Vermarktung.  Keine Stiftung Warentest mische sich hier ein. Ein Reality-Check sei unmöglich, weil Tote nicht sprechen könnten. Bei dieser Gelegenheit hatte Gerhard Schröder herzlich gelacht, sich auf die Schenkel geschlagen und wieder einmal mit den Kiefern gemahlen. 

Petrus 2.0: Gerd Schröder schreibt die Bibel um

Auch in anderen Teilen müsse die Philosophie des Unternehmens dringend überarbeitet werden, hatte Schröder gefordert. Das Ganze müsse auf einige peppige Kernsätze reduziert werden.  Man solle das Alte Testament ganz streichen. Zuviel negative Botschaften seien das. Die Vertreibung aus dem Paradies und die Brudermord Geschichte von Kain und Abel seien zum Beispiel zu heftig. Die ganze Philosophie von Petrus 2.0. sei auf einige Kernsätze zu reduzierten. Eine hippe Firmen-Philosophie sei heute viel zeitgemäßer als staubige Bücher und unendliche Interpretationen. Wer daran Spaß  habe, wen das antörne, der könne sich ja in einem Bibel Kreis organisieren. Viele liebten ja Kreuzworträtsel oder das Basteln an alten Autos, den Oldies. Warum sollte das Herumtüfteln an alten Texten nicht auch wohlwollend geduldet werden. Da könne man harmlose Arbeitskreise im Internet bilden oder Foren im Darknet.

Auch am Produkt-Preis müsse man noch arbeiten. Der Eintrittspreis für das Paradies sei entschieden zu hoch. Die Einhaltung von zehn Geboten als Eintrittshürde sei zu viel verlangt. Zehn No-Goes schränkten den Konsumenten in seinem Leben zu sehr ein. Vielleicht könne man die zehn Gebote auf fünf beschränken oder eher an Konsumenten Gruppen anpassen. Für die Berufsgruppe Mafia könne man sich vielleicht auf ein Gebot beschränkten und das abwandeln. Wenn es im vierten, dann aber einzigem Gebot hieße, Du sollst Deine eigene Familie ehren, auf das es Dir gut gehe, dann habe man hier wahrscheinlich eine hohe Kundenakzeptanz erreicht. Beim Projekt Petrus 2.0 sei ein flexibles Marketing Management gefordert.

Für ihn müsse unbedingt der Passus mit dem Ehebruch gestrichen werden. Da sei die Kim auch ganz pingelig. Man müsse den Begriff Ehe zeitgemäß wie eine Vertragsgemeinschaft neu formulieren mit flexiblen Ausstiegsklauseln. Unbedingt sei der Name der Ehepartner wie eine Marke zu behandeln, über die letztlich der jeweilige Partner zu bestimmen habe. Die Marke Schröder sei zum Beispiel hoch begehrt und er streite zurzeit mit einer seiner Ex-Frauen um die Herausgabe der Marke Schröder.

Das Produkt Paradies solle man in seiner Beschreibung im Ungefähren lassen. Niemand kenne das Paradies genau  und der Himmel sei unendlich blau, genau wie seine Augen. Die könnten auch nicht lügen. Und wieder hatte Gerhard Schröder herzlich gelacht.

Hotte hatte den Kopf geschüttelt und beschlossen, eine Kopie des Videos, das er gerade aufnahm, an seinen Freund und Rechtsberater das Törfchen zu schicken.  Er und das Törfchen waren gemeinsam Messdiener gewesen und hatten sich gemeinsam die Knie wund gescheuert auf holzigen Kirchenbänken. Schröders Projekt Petrus 2.0. ließ ihn sauer aufstoßen. Das war Staatsverrat vermutete Hotte, zumindest in Münster.

Petrus 2.0 und das Personal Management

Gerhard Schröder war in bester Stimmung. Im Rahmen des Updates Petrus 2.0 müsse auch über neues Personal-Management nachgedacht werden, hatte er gefordert, während seine Bodyguards Ferdinand und ihn unauffällig mit Kaffee versorgten.

Man müsse zum Beispiel das Kardinals Kollegium in Rom auflösen. Die Jungs sähen aus wie in die Jahre gekommene Schlümpfe im Himbeer-Look, das sei einfach zu viel Retro-Look. Einige dieser Pink-Schlümpfe hätten auch ein Pädo-Image. Das käme werbetechnisch überhaupt nicht gut an.

Auch das aktuelle Papst Team sei suboptimal. Man spreche hier von zwei Greisen, von denen der eine völlig auf Wolke sieben schwebe. Dieser Ex-Papst, der Alois Ratzinger, sei eine komplette Fehlbesetzung. Fast niemand aus seinem Bekanntenkreis könne sich mit dem alten Mann aus Bayern identifizieren. Aber auch der etwas jüngere aus Argentinien finde zu wenig Begeisterung. Vielleicht könne man Mick Jagger von den Rolling Stones gewinnen, dem Papst Franziskus ein wenig Nachhilfe zu geben in Sachen Auftreten und Umgang mit Fans. Im westfälisch katholischen Märchen-Wald könne er sich diese Päpste, dann beide verrentet, gut vorstellen. Auftritt jeden Abend um 18. Uhr in einer Wald Kapelle im Märchenwald, das ginge ok. Er halte das für eine faire Win-Win-Lösung.

Er selbst sei sehr innovativ, was das Mega-Unternehmen Vatikan angehe. In Hannover habe er für eine evangelische Kirche, eine abtrünnige Unterabteilung des Glaubens-Multis, ein neues Fenster spendieren wollen. Das zeige seine Bereitschaft, in das Projekt 2.0. zu investieren. Bislang sei er aber an niedersächsischen Retro-Spießern gescheitert. Das mit dem Martin Luther Splitting werde er auch korrigieren. Die Schlagkraft eines Unternehmens und die Klarheit eines Produktes dürften nicht durch eine verwirrende Vielfalt von Anbietern geschwächt werden.

Hier hatte Hotte laut aufgeschrien und sich vor Begeisterung auf die Schenkel geklopft. Er möge diese Luther Böcke nicht, pflegte er nach zehn Bier  zu erklären. Er selber halte sein Haus in Münster sauber, bei ihm wohnten nur Katholiken.

Gerd Schröder war innovativ nicht mehr zu bremsen gewesen. Mit geschwollener Brust hatte er erklärt, er werde in einer bereits verabredeten Privat Audienz dem Papst seinen Plan darlegen, Das Ganz sei als eine dynamische Win-Win- Lösung zu verstehen. Der Vatikan würde durch das längst überfällige Update Petrus 2.0 grundlegend kern saniert und erhalte mit ihm als Papst Gerd und Päpstin Kim als Vorstands-Vorsitzende neue moderne Helden. Er könne sich vorstellen, dass sich die Projekte Maria 2.0. und Petrus 2.0. wechselseitig befruchten könnten. Bei dem Gedanken hatten Gerhard Schröder und seine Body Guards heftig und herzlich gelacht.

Ferdinand wird unter Vertrag genommen

Ob das nicht ein genialer Plan sei, hatte Schröder dann von Ferdinand wissen wollen. Das sei doch Chance Management vom Feinsten. Er hatte Ferdinand herausfordernd angesehen und die Bodyguards hatten nervös gehustet. Das sei alles super, hatte Ferdinand aus sich heraus gepresst. 

Gerd Schröder hatte erklärt, er habe auch nichts anderes erwartet und er werde sich melden, ihm einen Berater-Vertrag zuschicken. Dann war er gegangen. Ferdinand hatte fassungslos in seinem Büro gesessen und nicht gewusst, ob er lachen oder weinen sollte.

Vom Garten her hatte er Hotte gehört, der den Auftritt des Ex-Kanzlers auf seine Weise verarbeitete. Vermieter Hotte und seine Frau saßen nun auf der Terrasse und  tranken Kaffee. Zu ihren Füßen lag der Zwergen Garten und verbreitete Ergebenheit. Hotte hatte nach Schröders Abgang lange in die Luft gestarrt und dann das Törfchen angerufen.

Der hatte Hotte erklärt, in der Bibel stehe bereits, man sollte Gott geben, was Gottes sei und dem Kaiser, was des Kaisers. So ein Ex-Kanzler erscheine ihm bei näherer Betrachtung eher wie ein Kaiser, dem man besser gehorche. Da habe er vielleicht in der Schule oder auf der Uni nicht richtig aufgepasst. Er müsse sein Demokratie Verständnis hier wohl der Wirklichkeit anpassen. Diesen Rat gebe er ihm als alter Kumpel, Rechtsberater und Mit-Messdiener gratis, weil er nicht wisse, wie er diesen Tipp abrechnen könne. Hotte hatte sich überschwänglich bedankt und ihm einen neuen Fall in Aussicht gestellt, die Kündigung des Mieters und Rivalen Kurt Schnappi.

Der Tipp des Törfchen könne nicht viel wert sei, wenn er umsonst sei, hatte Ehefrau Irene schnippisch erklärt. Sie presste immer noch einen Eisbeutel an ihren Kopf.